AGEM > Ziele / Scope - Wer sind wir? PDF Drucken E-Mail
 
 
 

Was ist und was will die Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin AGEM e.V. ?

Über Ihr Interesse an der Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin (AGEM e.V.). freuen wir uns. Die AGEM als Verein ist eine Mitgliedergesellschaft, die gemeinnützig durch Mitgliedsbeiträge und Spenden die Herausgabe der Zeitschrift Curare (1978 gegründet) fördert. Sie ist 1970 als Vereinigung von Wissenschaftlern und die Wissenschaft fördernden Personen und Institutionen mit dem Zweck der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Forschungszweigen der Medizin einerseits und andererseits den Kultur- und Sozialwissenschaften in Hamburg gegründet worden. Ihr gehören derzeit 200 Mitglieder an.

Sie betreibt durch eine Website (seit 2003 www.agem-ethnomedizin.de ), einen Newsletter (seit 2004) und Fachkonferenzen (seit 1973) gemeinnützig Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Gesundheitspflege, unterhält eine Literaturdokumentation, verschickt an ihre Mitglieder Rundbriefe, fördert Publikationen und pflegt Kontakte zu nationalen und internationalen verwandten Gesellschaften, Universitäten und Arbeitsgruppen.

Im Mitgliedsbeitrag ist der kostenlose Bezug der Zeitschrift Curare enthalten. Er beträgt ab 2009 für ordentliche Mitglieder 80 Euro pro Jahr, für Studenten 40 Euro.

Besonderes Anliegen der AGEM ist die Beschäftigung mit Vorstellungen und Praktiken aus dem Bereich Gesundheit, Krankheit und der Medizin verschiedener Bevölkerungsgruppen in Feldforschungen und aus dem Literaturstudium. Der Bogen des Interesses spannt sich dabei herkömmlich von Ethnien auch heute noch schriftloser Kulturgruppen oder -segmenten und den komplexen Kulturen ohne regionale Einschränkung bis hin zu europäischen Volksgruppen und ebenso zu Entwicklungen in den aktuellen Migrationsbewegungen besonders in die entstandenen urbanen Grossräume im Rahmen der sich globalisierenden Welt. Ebenso interessieren die medizinischen Kenntnisse der Laien wie die der "traditionellen" Ärzte in der Vergangenheit und Gegenwart. Die kritischen Begleitung der eigenen Westlichen Medizin (Biomedizin, Schulmedizin etc.), die in diesem Zusammenhang als ein kulturelles System verstanden wird, reiht sich in dieses Erkenntnisinteresse nahtlos ein.

Als anthropologische Disziplin beschreibt das „interdisziplinäre Arbeitsfeld Ethnologie & Medizin“ daher in Anlehnung an ethnologische und soziologische Methoden im engeren Sinne Konzepte von Gesundheit, Krankheit und Heilung in Ethnien und Populationen jeglicher Provenienz, im weiteren Sinn vergleicht die Medizinethnologie bzw. "Ethnomedizin" verschiedene Heilweisen. Sie sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, den Rahmen und die Methoden für den intra- und transkulturellen Vergleich medizinischer Systeme und der kulturellen und sozialen Konstruktion von Krankheit zu schaffen. Sie sieht daher die Berechtigung und Möglichkeit gegeben, durch medizinethnologische Forschung gewonnene Erkenntnisse für unsere eigene Medizintheorie und Medizinpraxis nutzbar zu machen bzw. dieser Entwicklungsimpulse zu geben. Der angestrebte Rückfluss von neuen Erkenntnissen in das jeweilige Arbeitsfeld versteht sich dabei als selbstverständlich. Dies hat besonders im Rahmen der verstärkten ubiquitären Migration Bedeutung erlangt.

Es sei hier betont, dass unser in den 1950er Jahren historisch entstandener Begriff von „Ethnomedizin“ dem im heutigen Sprachgebrauch üblicheren Begriff „Medizinethnologie“ entspricht. Daher übersetzen wir „Ethnomedizin“ ins Englische mit „Medical Anthropology“. Definitorische Abgrenzungsdiskurse aus den letzten Jahrzehnten und rezente Ausgrenzungsversuche halten wir für kontraproduktiv.

Eine besondere Aufgabe bildet neben dem klassischen Sammeln und ethnographischen Beschreiben der Heilmittel, -techniken und -konzepte heute vor allem im Rahmen moderner Gesundheitsplanung für die „Ethnomedizin“ die Konfliktanalyse in medizinischen Transfersituationen und die wissenschaftlich fundierte Neubewertung der Heilkunden und populären Medizinen, die nicht mit den Begriffen der akademischen naturwissenschaftlichen Schulmedizin erfasst werden können.

Insbesondere in früheren volks- und völkerkundlichen Publikationen, die Rituale und Krankenbehandlungen und andere Elemente aus der Heilkunde fremder Ethnien beschreiben und interpretieren, wurden oft gute ethnografische Einblicke in die Epistemologie von Gesundsein und Krankwerden gegeben, die der Kulturwissenschaftler, Arzt oder Missionar aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit der untersuchten Kultur gewonnen hat. Dies ist auch heute noch eine bedeutende Grundlage für neue Theoriebildungen und die dazu gehörigen Diskurse und eine der legitimen wissenschaftlichen ethnologischen Arbeitsweisen.

Forschungsansätze, die traditionelle Vorstellungen, Konzepte, sowie Klassifizierungen etc. im Sinne von "ethnoscience" und anderen neueren Ansätzen erarbeiten, sollten auch heute weiterhin in verstärktem Maße berücksichtigt werden. Einmal werden auf diese Weise die auf präziser Naturbeobachtung fußenden oft sehr geistvollen Denkmodelle deutlich, die auch die Ethnobotanik und andere Ethno-Naturwissenschaften einschließen. Zum Anderen kann eine auf den gewonnenen Erkenntnissen basierende Integration traditioneller Vorstellungen, Praktiken und Institutionen in aufzubauende moderne und zugleich auf die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasste staatliche Gesundheitssysteme (public health systems) dazu führen, dass die Menschen die anerkannten Vorzüge mancher Maßnahmen der Modernen Medizin bei den edukativen, präventiven und kurativen Programmen besser akzeptieren. Insbesondere wird auf diesem Wege kulturelles Erbe nachhaltig bewahrt und kann sich weiter entwickeln. Dies ist bei den zunehmenden ubiquitären Migrationen und der Entwicklung neuer Identitäten insbesondere in den sich weltweit ausdehnenden urbanen Zonen von Bedeutung.

Das wesentliche Anliegen der Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin (AGEM) ist die regionale und internationale Zusammenarbeit aller an Fragen der „interdisziplinären Arbeitsfelder Ethnologie & Medizin“ Interessierten, die gepflegt und derzeit ausgebaut wird durch

die Zeitschrift curare .
Zeitschrift für Medizinethnologie / 
Curare. Journal of Medical Anthropology

• eine Website für Recherchen
und ggf. andere Internet-Aktivitäten

Dokumentation von Literatur (Sammlung)

• einen elektronischen Newsletter

• Rundbriefe, sonstige Publikationen, Vorträge

internationale Fachkonferenzen (seit 1973).

Wir laden Sie ein, Mitglied in der AGEM >Arbeitsgemeinschaft "Ethnologie & Medizin"< zu werden und unsere Ziele aktiv mit zu gestalten oder durch Ihren Beitrag zu unterstützen.

40 Jahre AGEM • 1970 - 2010 •
40 Years AGEM

40 Jahre Zeitschriften für "Ethnomedizin"/Medizinethnologie
40 years journals in Medical Anthropology • 1971 - 2011

40 Jahre "Fachkonferenzen Ethnomedizin" /
40 years conferences in Medical anthropology • 1973 -2013
Zuletzt aktualisiert am Montag, 11. August 2014 um 12:33 Uhr